Alles um die Kinderkirche

Die Mitarbeiter

Wer bin ich?
Meine Aufgabe in der Kinderkirche
Ein paar allgemeine Regeln
Ein paar Gedanken zur Aufsichtspflicht
Wenn ein Mitarbeiter sich verletzt ...
Gedanken und Impulse zur (Kinderkirch-)Vorbereitung

Wer bin ich?

Vielleicht bist du nun überrascht, dass du hier als MitarbeiterIn selbst zum Thema des Nachdenkens wirst. Aber du kennst sicher genügend Situationen aus deinem Leben, in denen du erfahren hast, nicht alle Menschen liegen mir gleich. Deshalb lohnt es sich durchaus, einmal über dich selbst nachzudenken. Hier einige Fragen zur Hilfe:
  • Welche Eigenarten habe ich?
  • Wo liegen meine Stärken und wo meine Schwächen?
  • Wie sollen mich die Kinder sehen?
  • Wie sehen mich die Kinder wohl tatsächlich?
  • Spiele ich dabei den Kindern etwas vor?
  • Bin ich echt?
Dietrich Bonhoeffer hat sich mit dieser Frage in einem gleichnamigen Gedicht auch einmal auseinandergesetzt. Hier ein paar Passagen daraus:
"Wer bin ich? ... Bin ich das wirklich, was andre von mir sagen? Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß? ...
Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein anderer? Bin ich beides zugleich? Vor den Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling? ...
Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott."

Es ist gut wenn man sich selbst ein wenig kennt und einschätzen kann, um seine Stärken aber auch um seine Schwächen weiß. Die Kinder entdecken gerade deine Schwächen sehr schnell. Wenn du aber um deine Schwächen weißt kannst du auch entsprechend mit ihnen umgehen, indem du gegen sie angehst oder indem du ausdrücklich zu ihnen stehst.
Aber am Ende muss ich vor allem eines wissen: "Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott" und zwar mit allen meinen Stärken und Schwächen.


(Grafiken mit freundlicher Genehmigung von Bernd Schwemm)



Wer bin ich?
Meine Aufgabe in der Kiki
Ein paar allgemeine Regeln
Zur Aufsichtspflicht
Wenn ein Mitarbeiter sich verletzt ...

Meine Aufgabe in der Kinderkirche

  • Dein Tun soll dahin führen, dass die Kinder Gott loben, ihn bekennen, ihm danken, ihn anbeten lernen.
  • Du bist als KinderkirchmitarbeiterIn ein Zeuge Jesu Christi.
  • Ein Zeugnis ist etwas absolut persönliches. Ich bin von etwas persönlich getroffen. Davon erzähle ich anderen.
  • Was ich hier sage, muss ich selbst (vor Gott) verantworten können.
  • Ein Zeugnis geschieht in einem Gespräch.
    1. Der Bibeltext / Liedtext / Psalm spricht mich an. Verstehe ich alles? Habe ich Rückfragen? Was stört mich? Was hat das alles mit mir zu tun?
      Ich mache mir Gedanken über den Text und es entsteht unwillkürlich ein Gespräch. Ich bin der erste Adressat des Textes.
      Was nicht aus meiner eigenen Betroffenheit kommt, führt nicht ins Gespräch, sondern ins Geschwätz!
    2. Ich stehe in einem Gespräch mit den Kindern. Ich kenne sie. Ich weiß um so manche Eigenart von ihnen. Ich kenne ein wenig ihre Gedankenwelt, ihren Horizont, ihre Sprache.
    3. Ich versuche nun den Bibeltext usw. mit den Kindern ins Gespräch zu bringen. Wo trifft er das Leben der Kinder, was können sie verstehen, was bedeutet er für sie. Das sind zunächst erst Überlegungen, die zu Hause stattfinden.
      Erst wenn ich mir hierüber Gedanken gemacht habe, kann ich vor den Kindern mein Zeugnis ablegen und den Text aus meiner eigenen Betroffenheit heraus mit den Kindern ins Gespräch bringen.
  • Wer vermag mehr zu geben als er empfangen hat? Die Kinder werden besonders von dem berührt sein, was auch dich berührt hat. Deshalb gilt es hier, echt zu sein.
  • Was ist meine Aufgabe unter den anderen MitarbeiterInnen?
    • Wo habe ich besondere Gaben, Fähigkeiten und Beziehungen, mit denen ich der Kinderkirche dienen kann? (Instrument spielen, neue Lieder einüben, zeichnen, Spiele kreieren, toll erzählen, ...)
    • Bin ich nur Konsument in der Vorbereitung oder bringe ich mich selbst ein mit meinen Fragen, Ideen, Vorschlägen, ...? (Ein Stichwort genügt oft schon und andere haben dann eine zündende Idee, wie man das ausführen kann.)
    • Drücke ich mich permanent vor irgendwelchen Aufgaben?
    • Muss man bevor der Kindergottesdienst stattfindet etwas herrichten?
  • Kinderkirche ist Gemeinde. Gemeinde lebt von Gemeinschaft. Gemeinde bedeutet gemeinsam auf einem Weg zu sein. Nur gemeinsam sind wir stark.


Mein Hintergrund

Wie bist du zur Kinderkircharbeit gekommen?
(In der Regel geschieht dies durch persönliche Anfrage, weniger durch einen allgemeinen Aufruf im Gemeindebrief.)

Mit welcher Motivation kommst du ins Ehrenamt?
(Hier hat eine Veränderung in den letzten Jahren/Jahrzehnten stattgefunden. Früher war die Grundmotivation: Ich mache was für andere, heute: Ich will zumindest auch was davon haben.)

Was hab ich davon? - Ist das auch meine Grundmotivation?
  • Anerkennung
  • Dank
  • Wertschätzung
  • Auslagenerstattung
  • Zugang zu Räumen (Schlüssel)
  • auch sonst bereichernde Auswirkungen
Überprüfe deine Motivation! Passt sie tatsächlich zur Aufgabe?

Falsche Motivationen:
  • Einer muss es ja machen
  • Ich kann nicht NEIN sagen
  • Ich opfere mich
  • Ohne mich bricht alles zusammen
  • das mach ich nebenher
  • Ich suche Anerkennung -- wenigstens die Kinder schätzen mich
  • da sind so nette junge Frauen im Mitarbeiterteam
Worum geht es? Rechte Motivationen
  • Kindern die frohe Botschaft des Glaubens weiter sagen
  • Gottesdienst feiern
  • selbst im Glauben wachsen
  • meine Gaben und Fähigkeiten einbringen
  • hier kann ich unwahrscheinlich viel lernen
  • bereit sein, Neues zu lernen, Gaben zu entdecken

Was bietet die Arbeit in der Kinderkirche?

Ob du es glaubst oder nicht. Hier lernst du für's Leben!
  • vor anderen stehen und was sagen
  • frei reden
  • organisieren (Projektmanagement)
  • leiten
  • Gruppenregeln
  • Selbstwahrnehmung und Selbstreflektion
  • Umgang mit anderen
  • unterordnen
  • sich durchsetzen
  • es findet hier automatisch eine Persönlichkeitsbildung statt
  • Beurteilungsvermögen am/im Umgang mit Texten
  • religionspädagogische Grundkenntnisse
  • Methodenvielfalt
  • Umgang mit Störungen
  • theologisches Fachwissen
    • Theologisches Basiswissen
    • Reflektion der eigenen Gottesbilder
    • persönliche Glaubenspraxis
    • religiöse Sprachfähigkeit
    • Umgang mit biblischen Texten
    • Gottesdienstliches Grundwissen
    • Gestalten des Gottesdienstraumes
  • der eigene Glaube entwickelt sich weiter

Kindergottesdienstarbeit sollte Team-Arbeit sein

  • Was macht ein Team aus?
    • Ein Team hat ein gemeinsames Ziel (sprecht darüber, setzt euch ein Ziel)
    • Im Team arbeitet man miteinander, nicht gegeneinander
    • Im Team kann es auch Wortführer geben - das muss aber nicht immer derselbe sein
    • Ein Team kann gabenorientiert arbeiten - im Team sind nahezu alle Gaben vorhanden
    • Ein Team kann sich mitten auf dem Weg auch neu ausrichten, Kurskorrekturen vornehmen

  • Lernen am Beispiel von Wildgänsen
    Auf dem Weg ins Winterquartier kann man beobachten: Wildgänse fliegen in V-Formation (in Keilform), mit der Spitze voraus. Warum? Wissenschaftler haben herausgefunden, dass jeder Flügelschlag Aufwind schafft, den der nachfolgende Vogel nutzt. In der V-Formation können die Vögel um rund 70 Prozent weiter fliegen als eine einzelne Gans. D.h. würde ein einzelner Vogel rund 150 km am Tag schaffen, erreicht die Gruppe bis zu 250 km am Tag. Dabei richtet sich die Geschwindigkeit nach dem schwächsten Tier am Schluss! Durch Zurufe macht es seinen Zustand dem vordersten Tier kund. Sein Zuruf ist Ermutigung und Feedback des eigenen Ergehens gleichermaßen. Der Führungsvogel muss natürlich am meisten Kraft aufwenden. Nach einer gewissen Zeit gibt er deshalb die Führung ab und lässt sich nach hinten fallen. Ein krankes Tier wird von zwei gesunden Tieren zum Boden begleitet und solange versorgt, bis man wieder in kleiner V-Formation weiter fliegen kann.
    • Menschen, die gemeinsam das gleiche Ziel haben, erreichen es schneller und leichter, wenn sie sich gegenseitig nach Kräften unterstützen. Alle sind aktiv. Die vorhandenen Ressourcen werden genutzt. Es ist vorteilhaft, die Leitung je nach Situation auszuwechseln. Kein Teammitglied soll glauben oder fürchten, dass alle Erfolge allein von ihm und seinen Kräften abhingen. Für jeden in der Gruppe wird es Phasen des Lenkens und Phasen des Mitmachens und auch Fallenlassens geben. Wer sich in einer Gruppe sicher fühlt, kann solche natürlichen und notwendigen Wechsel zulassen. Vertrauen, Verlässlichkeit und Gemeinschaft können für Auftrieb sorgen und damit bedeutende Energiereserven mobilisieren.
    • Wir sollten auch immer darauf achten, was uns die Teammitglieder "aus den hinteren Reihen" zurufen. Teams profitieren von der gegenseitigen Motivation.
    • Wer "alleine gegen den Rest der Welt" unterwegs ist, wird die Widerstände des Lebens und der Arbeit erheblich härter erfahren. Viel effizienter ist es, die Knackpunkte unseres Lebens in einer tragfähigen und verlässlichen Gemeinschaft anzupacken.
    • Wer motiviert wen? Natürlich ermutigt der leitende Vogel seine Kollegen in der Formation durch sein gutes Beispiel. Umgekehrt feuern auch die hinteren Gänse das Leittier mit Zurufen an, Geschwindigkeit und Richtung beizubehalten.
    • Die Wildgänse richten sich nach dem schwächsten Glied in der Gruppe. Die Mitglieder eines Teams stehen füreinander ein! - Zumindest dann, wenn sie so viel Verstand haben wie die Wildgänse.
    • TEAMarbeit heißt also: Wir setzen uns Ziele, wir kommunizieren diese Ziele und wie es dem einzelnen damit im Moment geht und wir binden jeden Einzelnen mit seinen Stärken und Schwächen ein.

  • Weitere konkrete Beispiele der Umsetzung von Teamarbeit
    • Wir sprechen uns untereinander ab
      • Was lief letzte Woche?
      • Was habe ich heute gemacht
      • Wie gehe ich bei Kind x disziplinarisch vor
      • Ich habe eine Idee - kannst du mit der auch was anfangen?
      • Ich habe einen Vorschlag gefunden, vielleicht ist der auch was für dich!
    • Wir ziehen an einem Strang (Liturgie, Disziplin, ...)
    • Ich halte den anderen aus meinem Team den Rücken frei
      Z. B.: Während der andere erzählt, sorge ich für Ruhe.
    • Gemeinsam sind wir stark
    • Ich weiß: Vier Hände vermögen mehr als zwei Hände
    • Ich bin da: In der Vorbereitung (Absprachen), im Kindergottesdienst (zur Unterstützung)
    • Wir üben eine Feedback-Kultur
    • Wir üben gegenseitige Wertschätzung


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Ein paar allgemeine Regeln

  • Erzähle nicht dich selbst, sondern viel mehr dir selbst!
    D.h. du bist der erste Adressat dessen, was du erzählst. Das bedeutet aber nicht, dass du deine persönlichen Glaubenserfahrungen verschweigen sollst.
  • Lass dich selbst von der biblischen Botschaft in Frage stellen!
  • Sprich nicht per "man" oder "wir", sonder per "ich"!
  • Sei echt!
  • Denk daran: Gott will durch dich reden. Du bist SEIN Werkzeug. Gib deshalb selbst dein Bestes. Aber letztendlich liegt es an Gott, was daraus wird.
    Wir sollen Beides, unser Sollen und unser Nicht-Können, wissen und eben damit Gott die Ehre geben. (Karl Barth)
  • Bring deine Arbeit im Gebet vor Gott!
  • Hüte dich vor der Routine!
    • Ist deine Begrüßung zu Beginn zu einer Floskel verkommen? Sagst du immer dasselbe? Ist das, was du sagst noch echt?
    • Erzählst du immer im selben Stil?
    • Schlampst du immer mehr bei deiner Vorbereitung und verlierst dadurch die einzelnen Kinder aus den Augen?
  • Bringe Gott zur Sprache!
  • Das treue Kommen vieler Kinder nimmt uns in Pflicht!
    • Komme ebenfalls regelmäßig!
    • Komme pünktlich. Nimm dir Zeit für die Kinder. Sprich mit ihnen.
    • Lass die Kinder nicht unter deiner Unausgeschlafenheit oder Ähnlichem leiden.
    • Bereite dich gut vor!
    • Sprich langsam, laut und deutlich.
    • Wirke selbst nicht einschläfernd.
    • Geh mit gutem Beispiel voran.
      Ein Beispiel: Kinder lassen sich leicht begeistern, wenn sie spüren, dass du selbst begeistert bist. Singst du selbst nur träge mit, wird auch der Gesang in der Gruppe nicht voll Power sein. Forderst du die Kinder zu Bewegungen auf und bleibst selbst hocken, werden die Kinder Bewegungen schnell als Babykram abtun.
  • Hüte dich vor einer schwer verständlichen, abgehobenen und abstrakten Sprache.
  • Wenn du neue Medien ins Spiel bringst, dann teste sie frühzeitig, ob sie auch funktionieren (Beamer, Tageslichtprojektor, Dia-Projektor usw.).


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Ein paar Gedanken zur Aufsichtspflicht

Du trägst die Aufsichtspflicht. Dir sind die Kinder anvertraut. Du kannst für Unfälle haftbar gemacht werden!
Die Aufsichtspflicht erstreckt sich vom Eintreffen der Kinder bis zu ihrer Verabschiedung (nach Ablauf der offiziellen Dauer der Veranstaltung)! D. h., du solltest mit den Vorbereitungen zu deiner Stunde bereits fertig sein, wenn die ersten Kinder kommen, damit du deiner Aufsichtspflicht im vollen Umfang nachkommen kannst. D. h. aber auch, du kannst nicht während des Kindergottesdienstes / der Gruppenstunde usw. ein Kind ohne weiteres alleine nach Hause schicken. Konsequenzen:
  • Überlege dir bereits in der Planung, wo es Gefahrenquellen gibt und wie man sie umgehen kann!
  • Belehre und warne die Kinder schon im Vorfeld und nicht erst wenn sie bereits am Abgrund stehen und ein Kind abgestürzt ist!
  • Kann deine Belehrung verstanden werden? War sie klar, deutlich und verständlich ausgesprochen?
  • Warnungen und Belehrungen brauchen Wiederholungen! Einmal sagen genügt meist allein schon deshalb nicht, weil sich Kinder im Spiel gerne vergessen!
  • Wenn Belehrungen nicht fruchten,
    • muss das Spiel abgebrochen werden, bevor es zum Unfall kommt.
    • Einzelne Kinder können zur Strafe auch einmal von einem Spiel ausgeschlossen werden.
    • Notfalls ist auch einmal ein Elterngespräch angebracht!
  • Im Schadensfall
    • In der Regel sind kirchliche Gruppen versichert. Erkundige dich einmal, wie der Versicherungsschutz in deiner Gemeinde geregelt ist.
    • Melde den (Sach-) Schaden unverzüglich bei den dafür Zuständigen!
  • Wo ist eigentlich der Verbandskasten? Ist er vollständig?


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Wenn ein Mitarbeiter selbst sich verletzt oder verunfallt

Wer im Ehrenamt tätig ist, ist in Ausübung seiner ehrenamtlichen Tätigkeit über die Berufsgenossenschaft (BG) versichert.
Was tun, wenn ein Unfall passiert ist oder es zu einer Verletzung gekommen ist?
Auf jeden Fall über das Pfarramt der BG auf einem Unfallformular (über die BG zu erhalten) melden, auch dann, wenn es zunächst nicht so schlimm aussieht. Nur so sind auch später auftretende Folgen abgesichert.
Ein BG-Fall wird ähnlich wie ein privatversicherter Fall gehandhabt.
Nicht jeder Arzt ist von der BG zugelassen. Zügig einen D-Arzt konsultieren, der den Unfall aufnimmt. D-Ärzte sind Durchgangsärzte, in der Regel in Krankenhäusern oder Unfallärzte, in der Regel nicht der Hausarzt.
Über die BG können später auch sämtliche Fahrtkosten zu den Ärzten und der Rehabilitation dienenden Einrichtungen sowie die dazugehörigen Parkgebühren abgerechnet werden.






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Die letzte Änderung fand am 27.09.2010 statt.